Autor: WEG Wissen Redaktion • Zuletzt aktualisiert am • Kategorie: Eigentümerversammlung

Die Entsiegelung von Gemeinschaftseigentum in der WEG: Regenwassergebühren senken und Werte steigern

Die Entsiegelung von Gemeinschaftseigentum in der WEG: Regenwassergebühren senken und Werte steigern

    Die Entsiegelung von Gemeinschaftseigentum in der WEG: Regenwassergebühren senken und Werte steigern

    Die Kosten für Niederschlagswasser steigen rasant – besonders ab 2026. Für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) wird die Entsiegelung von Gemeinschaftseigentum zu einer entscheidenden Strategie, um zukünftige Regenwassergebühren nachhaltig zu senken. Erfahren Sie, wie Ihre WEG diesen Schritt rechtssicher plant, beschließt und umsetzt, um nicht nur Kosten zu sparen, sondern auch den Wert der Immobilie zu steigern.

    Inhaltsverzeichnis

      1. Warum Entsiegelung jetzt so wichtig ist: Die Kostenexplosion ab 2026
      1. Was ist Entsiegelung im Kontext der WEG?
      1. Der rechtssichere Weg: Beschlussfassung nach WEG-Reform 2020
      • 3.1. Privilegierte bauliche Veränderung (§ 20 Abs. 2 WEG)
      • 3.2. Einfache Mehrheit und Kostenverteilung
      1. Planung und Umsetzung: Von der Idee zum entsiegelten Hof
      • 4.1. Bestandsaufnahme und Potentialanalyse
      • 4.2. Einholung von Angeboten und Genehmigungen
      1. Finanzierung der Entsiegelung: Umlage und Fördermöglichkeiten
      1. Mehr als nur Kostensenkung: Zusätzliche Vorteile der Entsiegelung
      1. Fazit: Handeln Sie jetzt für eine zukunftssichere WEG

    1. Warum Entsiegelung jetzt so wichtig ist: Die Kostenexplosion ab 2026

    Ab 2026 stehen WEGs vor einer neuen Herausforderung: Viele Kommunen erhöhen die Niederschlagswassergebühren drastisch. Hintergrund sind verstärkte Anforderungen an die Starkregenvorsorge und Anpassungen an den Klimawandel. Diese Gebühren werden nach der versiegelten Fläche auf dem Grundstück berechnet. Jeder Quadratmeter, auf dem Regenwasser nicht versickern kann und in die Kanalisation geleitet wird, kostet Geld. Eine gezielte Entsiegelung von Gemeinschaftseigentum ist die direkte Antwort darauf und eine der effektivsten Maßnahmen zur Senkung dieser Kosten.

    Tipp: Überprüfen Sie unbedingt die aktuellen Gebührensätze Ihrer Kommune. Eine frühzeitige Entsiegelung kann Ihnen Tausende Euro pro Jahr sparen.

    2. Was ist Entsiegelung im Kontext der WEG?

    Unter Entsiegelung versteht man die Umwandlung undurchlässiger, befestigter Flächen wie Beton- oder Asphaltparkplätze, Zufahrten oder Terrassen in durchlässige oder begrünte Flächen. Ziel ist es, Regenwasser direkt auf dem Grundstück versickern zu lassen, statt es in die öffentliche Kanalisation einzuleiten. Für die WEG sind primär Flächen des Gemeinschaftseigentums relevant – oft Parkplätze, Innenhöfe oder Wege. Beispiele sind die Schaffung von Rasengittersteinen, Schotterrasen, Versickerungsmulden oder die Begrünung bisher versiegelter Flächen.

    3. Der rechtssichere Weg: Beschlussfassung nach WEG-Reform 2020

    Die WEG-Reform 2020 hat die Entscheidungsfindung für bauliche Veränderungen erheblich vereinfacht, was die Entsiegelung für WEGs besonders attraktiv macht.

    3.1. Privilegierte bauliche Veränderung (§ 20 Abs. 2 WEG)

    Eine Entsiegelung, die der Senkung von Betriebskosten dient (hier: Regenwassergebühren), kann unter die privilegierten baulichen Veränderungen nach § 20 Abs. 2 WEG fallen. Das bedeutet, dass sie von jeder Wohnungseigentümerin oder jedem Wohnungseigentümer verlangt werden kann und nur eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen in der Eigentümerversammlung für ihre Beschlussfassung erforderlich ist. Dies gilt auch, wenn die Maßnahme der erstmaligen Herstellung einer Anlage zur Verringerung des Wasserverbrauchs oder der Abwassermenge dient. (BGH, Urteil vom 2.12.2022 - V ZR 148/21).

    3.2. Einfache Mehrheit und Kostenverteilung

    Ist die Entsiegelung als privilegierte Maßnahme qualifiziert, genügt die einfache Mehrheit. Die Kosten werden grundsätzlich von allen Wohnungseigentümern getragen, sofern der Beschluss keine abweichende Regelung trifft. Es ist ratsam, bereits im Vorfeld der Beschlussfassung eine detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse vorzulegen, die die Einsparungen durch die reduzierte Regenwassergebühr aufzeigt. Der BGH hat bestätigt, dass die Kostenverteilung für privilegierte bauliche Veränderungen grundsätzlich von allen Miteigentümern zu tragen sind, es sei denn, es gibt eine abweichende Regelung durch Beschluss oder Gemeinschaftsordnung. (BGH, Urteil vom 28.01.2022 - V ZR 154/21).

    Tipp: Klären Sie im Vorfeld, ob die Maßnahme als privilegierte bauliche Veränderung eingestuft werden kann. Holen Sie dazu rechtlichen Rat ein und stellen Sie die Kostenersparnis durch die Entsiegelung von Gemeinschaftseigentum und die gesenkte Regenwassergebühr transparent dar.

    4. Planung und Umsetzung: Von der Idee zum entsiegelten Hof

    4.1. Bestandsaufnahme und Potentialanalyse

    Beginnen Sie mit einer genauen Analyse der versiegelten Flächen auf Ihrem Gemeinschaftseigentum. Welche Bereiche können ohne große Nutzungseinschränkungen entsiegelt werden? Denken Sie an wenig genutzte Wege, Teile von Parkplätzen oder unansehnliche Hofbereiche. Dokumentieren Sie die aktuellen Versiegelungsgrade.

    4.2. Einholung von Angeboten und Genehmigungen

    Lassen Sie sich von Fachfirmen beraten und holen Sie detaillierte Angebote für die Entsiegelung ein. Berücksichtigen Sie dabei verschiedene Entsiegelungs-Techniken (z.B. Rasengittersteine, wasserdurchlässiger Asphalt, Gründächer). Prüfen Sie zudem, ob kommunale Baugenehmigungen oder Genehmigungen des Umweltamtes erforderlich sind. In vielen Fällen ist dies bei reiner Umwandlung nicht der Fall, bei größeren Eingriffen jedoch schon.

    Tipp: Beziehen Sie einen erfahrenen Architekten oder Landschaftsplaner in die Planung ein, um sowohl ästhetische als auch funktionale Aspekte optimal zu berücksichtigen und potenzielle Fallstricke zu vermeiden.

    5. Finanzierung der Entsiegelung: Umlage und Fördermöglichkeiten

    Die Kosten für die Entsiegelung werden in der Regel über die Instandhaltungsrücklage finanziert oder durch eine Sonderumlage erhoben. Da die Maßnahme der Kostensenkung dient, ist die Zustimmung oft höher. Erkundigen Sie sich zudem bei Ihrer Kommune oder auf Landesebene nach möglichen Förderprogrammen für naturnahe Regenwasserbewirtschaftung oder Klimaanpassungsmaßnahmen. Oft gibt es Zuschüsse für genau solche Projekte.

    6. Mehr als nur Kostensenkung: Zusätzliche Vorteile der Entsiegelung

    Neben der direkten Senkung der Kosten für die Entsiegelung von Gemeinschaftseigentum und der damit verbundenen Regenwassergebühr bietet die Entsiegelung weitere, oft unterschätzte Vorteile:

    • Klimaanpassung: Besserer Schutz vor Starkregenereignissen durch lokale Versickerung und geringere Belastung der Kanalisation.
    • Verbessertes Mikroklima: Begrünte Flächen reduzieren Hitzeinseln im Sommer.
    • Erhöhte Attraktivität und Wertsteigerung: Eine durchdachte Landschaftsgestaltung und ökologische Aufwertung steigert die Lebensqualität und den Immobilienwert.
    • Biodiversität: Begrünte Flächen bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

    7. Fazit: Handeln Sie jetzt für eine zukunftssichere WEG

    Die rasant steigenden Niederschlagswassergebühren ab 2026 machen die Entsiegelung von Gemeinschaftseigentum zu einer der wichtigsten Investitionen für jede WEG. Mit der rechtssicheren Beschlussfassung nach der WEG-Reform 2020 und einer soliden Planung können Sie nicht nur erhebliche Kosten sparen, sondern auch den Wohnwert und die Zukunftsfähigkeit Ihrer Immobilie nachhaltig steigern. Warten Sie nicht, bis die erste hohe Gebührenrechnung ins Haus flattert – ergreifen Sie die Initiative und gestalten Sie Ihre WEG aktiv klimafreundlicher und wirtschaftlicher.

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